27. Juni - Mit voller Fahrt in die Flaute...


Bestes Segelwetter war durch DMI angekündigt 8 m/sec aus Ost und strahlende Sonne. Wir frohlockten und morgens um sieben sah es auch noch danach aus. Unser Start um 8.00 Uhr entließ uns aus der schwedisch-okkupierten Disco-Dudelsackhölle Laesö. Das war schon ein erhebendes Gefühl gestern Nacht als sich Dudelsack und 4 x 200 W Techno-Endstufe ein Duell lieferten, wer im Hafen die schwedisch akustische Vorherrschaft in den Ohren erringt.

Mit frischem Wind kreuzten wir uns von den Flachs auf der Westküste von Laesö frei und als wir endlich abfallen und Kurs Anholt anliegen konnten, hatte der Wind keine große Lust mehr. Also wechselten wir von der vorsichtigen Fock auf die Genua. Bis die dann um 12.00 Uhr auch keine Lust mehr hatte uns nach vorn zu ziehen.
Bis halb 5 gab es Luft aus dem Tank und der bremische Segler, der uns bei unserem Ablegen in Laesö noch zugerufen hatte, dass es in Anholt noch viel, viel voller sein würde als auf Laesö, sollte kein Lotto spielen. Anholt war zwar etwas belegt. Aber für uns war noch reichlich Platz.

Und heute kam unser großer Auftritt im Hafenkino. Alles war vorbereitet. Ca. 20 Boote durften in der ersten Reihe unserem Heckankermanöver beiwohnen, das mangels Haftkraft des Ankers ein zweites Mal ausgeführt werden sollte. Ihr glaubt gar nicht, wie spannend so ein Hafenkino sein kann.

Ich beschreib das mal als Zuschauer:

Die Mastspitze der Delinquenten ist schon hinter dem Wellenbrecher zu sehen...da!...jetzt sieht man....ein deutsches Boot...MIT EINER FRAU AM STEUER !!!!!!!!....ASTRID!!! Hol schnell die Chips und das Bier – Das wird lustig... -- Wieso turnt der Typ da auf dem Vorschiff rum ... der müsste Ihr doch jetzt langsam mal das Steuerrad aus der Hand nehmen ....nee, die wird das Ding allein fahren...was macht sie denn jetzt? .... Die hält direkt auf uns zu....Mooooment...nicht so schnell...ich steh lieber auf...die hält immer noch auf uns zu....Das ist aber nicht klein das Boot...na ja...aber ne Dehler...Hoffentlich fährt die meiner "Captain Barra" keine Schmarre ins Boot....jetzt dreht sie ab.... kuck mal, der lässt jetzt schon den Anker fallen...völlig übertrieben....und rennt gar nicht nach vorn....hat der keine Angst....sie stoppt auf...er ist von Bord...und macht gleich auf nem Poller fest....Motor hat sie ausgemacht....Mann, ist das langweilig...aber was ist jetzt.....Heckanker hält nicht....na, das ist ja ein Ding...wie die jetzt wohl mit Wind von hinten von der Mole wegkommen....Jetzt reden die miteinander...die Schreien ja gar nicht...Er nimmt den Anker hoch...sie macht den Motor an...sie lassen sich an den Steg längsseits treiben und wenden und fahren vorwärts wieder raus....man ist das langweilig....beim zweiten Versuch kuck ich gar nicht mehr...ohhh...da kommt schon das nächste Schiff...Gottseidank, ein Charterschiff...da gibt es bestimmt was zu sehen....

Natürlich schaut jeder, was die anderen beim An- und Ablegen so machen. Machen wir ja auch. Aber manche starren doch ein wenig heftig und kommentieren lautstark über zwei Boote hinweg das Anlegemanöver anderer Sportsfreunde....

Nun denn, wir sind jedenfalls in Anholt fest und genießen die Ruhe und Entspanntheit dieses Hafens in der Vorsaison. Merke: 30 sm weiter von Göteborg weg als Laesö und Ostwind reduzieren den Reiz für die Schweden und die Kreuz-Lust der Teutonen.



...wir haben heute mal wieder vergessen Fotos zu machen...deshalb ein Bild von morgen